Premiere: der GBO-Tagesrückblick für den 11. März 2009 #winnenden #amoklauf #medienchaos #illuminati

Als Erstes kläre ich vielleicht am Besten den Titel. Von einer Premiere zu sprechen, ist faktisch gesehen richtig, auch wenn es wahrscheinlich keinen weiteren Tagesrückblick dieser Art geben wird. Es liest sich aber so schön, dass ich den falschen Eindruck gerne in Kauf nehme. Immerhin verdreifacht sich so mein Monatseinkommen. Oder so. Was die komischen Wörter mit dem # davor sollen, hätte ich vor dem 11. März auch nicht gewusst, aber wer an diesem Tag auf Twitter vorbeigeschaut hat, weiß jetzt Bescheid: das ist sinnloser Quatsch. Wieder was gelernt.

Thema dieses Tagesrückblicks ist, im weiteren Sinne, der Amoklauf in Winnenden, Nähe Stuttgart. Die ganzen Details überspringe ich an dieser Stelle, aus mehreren Gründen. Zum einen bin ich keine Nachrichtentante, zum anderen gibt es zum Thema so unglaublich viele interessante Details, dass sich manche davon gar widersprechen. So macht Berichterstattung doch Spaß, oder?

Die Suche nach dem Übeltäter, oder so

Wer hat daran Schuld, dass die Berichte (“mal wieder”, denkt sich der N24-Zuschauer) so durcheinander waren? stern.de gibt dem Internet die Schuld. Besonders prägnant:

Während ausgebildete Journalisten eigentlich wissen, wie mit Namen, Adressen und Bildern umgegangen werden darf, erfährt man bei Twitter schnell, wie der mutmaßliche Täter heißt. Das Elternhaus wird in aller Pracht gezeigt, und damit man es auch findet, gibt es den Link zur Adresse dazu. Der Pressekodex gilt halt für die Presse, und nicht für ein Medium, welches von vielen fälschlicherweise als die Zukunft des Journalismus betrachtet wird.

Mit anderen Worten: die ausgebildeten Journalisten haben alles richtig gemacht. Ich bin nicht ganz sicher, ob stern.de uns damit sagen möchte, dass Bild keine ausgebildeten Journalisten beschäftigt, oder ob sie Angst vor der bösen Konkurrenz-Fertigmachabteilung (oder was auch immer sie sich da genau vorstellen) von Bild haben… jedenfalls hat Bild vorbildlicherweise den vollen Namen, unzensierte Bilder vom Täter und unbeteiligten Schülern aus der näheren Umgebung und Bilder vom Elternhaus (mit Ortsangabe für Fans von Google Maps und so) veröffentlicht. Einen Link möchte ich an dieser Stelle nicht setzen, weil ich diese Informationen weder verbreiten noch den Marktanteil von bild.de vergrößern möchte, aber der Artikel wird sicher nicht so schnell verschwinden, falls ihr das unbedingt nachprüfen wollt.

Gerüchte müssen nicht durch Tratsch entstehen

Wie üblich ergeht man sich bei Bild, und wahrscheinlich auch bei anderen Zeitungen und Onlinemagazinen, in wildesten Spekulationen. Der Täter hatte es vielleicht nur auf Frauen abgesehen, meint Bild, denn 11 von mindestens 16 16 17 15 Opfern waren Frauen! Wow, das ist feinste statistische Analysekunst! Ich glaube, ich schmeiß mein Studium doch besser weg… solche wissenschaftlichen Höheflüge werden mir wohl niemals gelingen. Vermutlich kommen demnächst noch Spekulationen, dass er nachts satanische Messen auf Friedhöfen abgehalten und dabei Hunde geopfert hat (oder es zumindest versucht hat, bis plötzlich sein verstorben geglaubter Großvater… und so weiter).

Äußerst fundierte Ursachenforschung

Und natürlich gehen auch wieder die großen Diskussionen über die Ursachen von Amokläufen los. Es ist ja völlig logisch, dass jeder Amoklauf die gleiche Ursache hat. Und dass die Gründe eines Amokläufers immer ganz unkompliziert und ganz leicht erkenn- und erklärbar sind. Das macht schließlich die Berichterstattung und den politischen Aktivismus viel einfacher. Man gebe einfach so genannten Killerspielen, Horrorvideos, “harter Musik” (okay, leider hat der Täter diesmal laut $beliebige_quelle klassische Musik und Opern gehört), schwarzer Kleidung (fast alle Berichte sprechen vom “schwarzen Kampfanzug”, den der Täter trug) oder der Verfügbarkeit von Waffen in der Umgebung die Komplettschuld – fertig! Reißerischer Bericht geschrieben, hirnrissiges Gesetz (z.B. Verbot von schwarzer Farbe) verabschiedet, Thema durch. Nie wieder Amokläufer, juhu! Außerdem mehr Wähler im nächsten Wahlkampf, weil man sich ja schnell und konsequent drum gekümmert hat. Was will man mehr? Dass den Hinterbliebenen und den nächsten Opfern damit nicht geholfen ist, ist ja eigentlich nicht so wichtig. Ein bisschen (immerhin durchaus auch echte) tiefe Betroffenheit reicht sicher aus.

Quellenauswahl für Anfänger

Die Berichterstatter (außer stern.de, versteht sich) haben sich übrigens sehr über das Internet gefreut. Vor allem über Twitter, den Microblogging-Dienst. Da haben irgendwelche Leute, die gerade in der Gegend waren, über Twitter Bekannte vor dem Geschehen im Ort gewarnt, und prompt wurden sie von Interviewanfragen der internationalen Presse überschwemmt. Weil sie natürlich alle so sehr vor Ort waren, dass sie wahrscheinlich sogar die Schüsse sehen konnten.

Kurz gesagt: bei aller Fehl- und Überinformation, die im Internet umhergekreist ist, waren auf jeden Fall gewisse Vertreter der “klassischen” Medien nicht weit hinterher. Aktuelle Meldungen sind schließlich viel wert… ob sie auch korrekt sind, ist manchem dabei vielleicht weniger wichtig.

Danke für die respektvolle und gesicherte Berichterstattung, liebe Medien! Wenn ich ein paar Jahre an mir arbeite, werde ich vielleicht auch irgendwann so toll. Ich möchte auch mal soviel Gutes tun können.

148 Kommentare zu „Premiere: der GBO-Tagesrückblick für den 11. März 2009 #winnenden #amoklauf #medienchaos #illuminati“

  1. Timmäää sagt:

    ich hab gehört, dass galeria-kaufhof als konsequenz killerspiele ausm sortiment verbannt haben. zum einen frage ich mich da, WAS haben die da nun genau als kilerspiele gesehen und verstanden, sprich sind nur fsk 18er draußen oder auch 16er und zweitens denke ich, dass die sich früher oder später deswegen in den arsch beissen, wenn denen 2-20 euro im monat durch die games fehlen.

    • MrZeth sagt:

      2-20 Euro? Häng mal noch drei, vier Nullen dran…
      Aber es wird die nicht besonders treffen denke ich. Denn das ist wiedermal nur ein Werbetrick um neue Kunden ins Haus zu locken. Weil sich viele Leute jetzt denken “Na dann gehe ich doch lieber zu Kaufhof als zu Saturn, weil die haben ja keine gefährlichen Killerspiele mehr”. Die Jugendlichen zwischen 16 und 21 werden das genaue gegenteil denken und lieber zum Saturn gehen, weil sie da ja noch ihre “Killerspiele” bekommen. Aber über kurz oder lang, wird auch Kaufhof die Spiele nach und nach wieder in’s Sortiment aufnehmen, da bin ich mir sicher.
      Traurig ist nur, dass nach den Medien und der Politik nun auch Kaufhausketten anfangen Profit aus dieser Tragödie ziehen zu wollen…

  2. Jan sagt:

    Interessant ist das nun wieder schärfere Waffengesetze gefordert werden. Hätte der Vater sich dran gehalten währ alles verschlossen gelagert gewesen, ohne das sein Sohn rankommt.
    Ich hab selber mal geschossen und auch die entsprechenden Waffen zuhause gehabt, Waffen im Waffenschrank, Munition in nem Tresor, und da ich zufällig noch einen kleinen Tresor hatte die Schlagbolzen auch extra verschlossen. Und die Codes für die Schlösser hatte nur ich, zuzüglich in einem versigelten Umschlag beim Notar falls mir etwas passiert.

  3. sheep sagt:

    “es ist geil ein arschloch zu sein! es ist geil so richtig dreckig und gemein…”
    ich muss zugeben ein recht altes lied, als dies jedoch rauskam gab es einige artikel und schriften die sich mit diesem problem beschäftigt haben.

    die arschlochgesellschaft

    die heutige jugend wächst in eine arschlochgesellschaft auf in der man nur denjenigen respekt entgegen bringt von denen man ausgehen kann dass sie einem wirtschaftlich weiterbringen. jeder ist nur nett zu demjenigen der ihm etwas bringt, der höher in der sozialen leiter steht, der etwas zu sagen hat…gegenüber denen die unter uns stehen, uns nichts zu sagen haben oder uns nicht weiterbringen verhalten wir uns wie ein arschloch…

    warum? weil wir eben genau mit solch einem verhalten aufgewachsen sind. “das leben ist kein ponyhof, alter!” es könnte aber anderst sein…

    dazu folgendes beispiel: ich kenne 2 junge männer (natürlich kenne ich noch mehr aber es geht in meinem beispiel eben nur um diese beiden) diese beiden haben letztes jahr ihren wehrdienst angetreten. der eine bei der luftwaffe der andere beim heer. in der grundausbildung hat der bei dem heer nur gejammert wie hart alles sei und wie scheiße man ihn doch behandeln würde, der andere meinte bei der luftwaffe sei alles easy und locker…nun ein halbes jahr später ist der eine hilfsausbilder bei dem heer geworden…nun erzählte er uns wie er die rekruten “fickt”…dummficken nennt man sowas anscheinend wohingegen der luftwaffen freund ne ruhige kugel schiebt und alle in frieden lässt die ihn in frieden lassen…

    nun wer erkennt den zusammenhang? sicherlich ist es utopisch zu verlangen das wir die welt von heute auf morgen aus diesem ewigen “arschloch” kreislauf rausbekommen…oder etwa nicht?…

    ich sehe im fernsehen und in zeitungen irgendwelche alten säcke die über die probelme der heutigen jugend diskutieren…diese leute sind schon so alt dass sie schon vor langer langer zeit vergessen haben was es bedeutet jung zu sein, selbst wenn sie sich noch erinnern könnten war es zu ihrer zeit etwas ganz anderes jung zu sein als es heute ist.

    die jugend wird tagtäglich mit mord, verbrechen und gewalt konfrontiert (realer!) sie haben angst! vllt explodiert ja eine bombe wenn ich das nächste mal durch die fussgänger zone einer stadt meiner wahl laufen…

    die jugend wird tagtäglich mit sozialen problemen konfrontiert, sie haben angst irgendwann als arbeitsloser totalversager zu enden weil sie keine 1 in mathe schaffen…

    es gibt solche und solche jugendlichen. den einen macht es nichts aus, die können diese beunruhigenden nachrichten getrost irgnorieren. an manch anderen jedoch geht es nicht vorbei…diese gehen ins extreme emo, gothik, metal, punk oder auch radikalismus (militant oder auch nicht).. manch einem geben dies richtungen neuen halt, weil neue freundeskreis usw…manche werden dardurch nur noch weiter in die spirale der ausgrenzung getrieben…

    bei al dem kommt jetzt noch das arschlochverhalten der geselschaft dazu…ein unfähiger lehrer der seine machtposition ausnutzt, schüler die mobben oder eltern die schlagen…

    kein wunder das manch ein jugendlicher unter diesen extremen umständen irgendwann zerbricht…

    dieser amoklauf ist nur die spitze des eisberges…die jugendkriminalität steigt von jahr zu jahr, gewaltbereitschaft der jugendlichen ist nahezu auf maximalem lvl angekommen, wenn man in eine disko kommt fühlt man sich wie in einem kriegsgebiet…

    wenn ich mir anschaue wie die medien und die politik mit diesem amoklauf umgehen bekomme ich sowiso das kalte kotzen…

    es wird sich um das “wie” gestritten, in einzelne details zerstückelt und mit dem finger auf dinge gezeigt ( der vater, killerspiele, porno oder musik) anstatt sich mal auf das wirklich wichtige zu konzentrieren…das “warum”, oder das “was”…

    was hat den jungen so in verzweiflung getrieben das er nichts mehr zu verlieren hat?…was hat den jungen dazu gebracht in der “blüte seines lebens” sein leben einfach aufzugeben?…

    das “wie” können wir nicht verhindern aber das “was” und das “warum” kann man verhindern und dazu kann jeder einzelne in der gesellschaft etwas beitragen…

    aber das werden wir nicht tun, da es uns ja nicht betrifft…die unmitelbar betroffenen vllt aber uns die wir weit weg sind und das ganze nur über irgendwelche bildschirme beobachten…uns juckt das nicht…

    genau aus dieser einstellung herraus haben wir vllt soetwas verdient…wenn wir schon nicht aus gesundem menschen verstand herraus freundlich und respektvoll mit unseren mitmenschen umgehen dann vllt aus angst…

    also ihr da drausen nehmt euch in acht! behandelt eure mitmenschen egal wie unwichtig sie für euch erscheinen mit respekt und setzt euch für die ein für die sich niemand anderst einsetzt, denn wenn ihr das nicht tut wird vllt eines tages jemand mit einer waffe bei euch zuhause/auf der arbeit/ in der schule eurer kinder auftauchen und rache üben an eben denen die ihm das leben so schwer gemacht haben….

    an uns!

    mfg

  4. wayne? sagt:

    Besonders interessant ist auch, dass uns diese Ehrenhaften Journalisten nicht vor einer Fehlinformation (angeblich Ankündigung der Tat) bewahren konnten.
    Vermutlich wäre der Rechercheaufwand zu groß Gewesen oder man hätte diese verdammt unverständlichen Email Programme benutzen müssen um sich mit dem Betreiber der Seite auf, dem die Ankündigung angeblich geschrieben wurde, auseinanderzusetzen.

    • Anonymous sagt:

      nun, die Falschmeldung kam von der Polizei. Dafür würde ich den Medien mal ausnahmsweise nciht die Schuld geben.

      • -Thunderbird- sagt:

        Aber man koennte doch mit den Nachrichten so lange warten, bis alles geklaert ist. Solange wird man sich doch gedulden koennen o.O

        • da hab ich ge sagt:

          nun, dann würden wir ja jetzt noch keine informationen haben. denn bis alles geklärt ist vergehen bestimmt ein paar monate…

          Hat halt alles vor- und nachteile mit den Medien. Wobei ich Vorteile eher bei der seriösen Presse und Nachteile bei Bild und Co. sehe ;)

          • Anonymous sagt:

            Dann hätten die Medien aber auch geschlossen sagen müssen, das es laut der Polizei eine Ankündigung gab (Das wird idR so gemacht)
            Allerdings hiess es größtenteils “Der Täter hat seine Tat im Internet angekündigt” – spätestens(wirklich -spätestens-) dann hätten die Journalisten ihrem beruf – dem recherchieren – nachgehen müssen.
            Ich Wusste bevor ich von dem Amoklauf wusste das dieses Bild (wohlgemerkt ein Bild, kein wirklicher Foreneintag(ja, kein Chat wie es hiess)) ein Fake ist.
            So schwer war es nicht dies rauszufinden.

  5. Foodguild sagt:

    Den Beitrag, wie auch viele der Kommentare find ich spannend und oft auch sehr treffend in Bezug auf die Ursachen.

    Der Amoklauf von Winnenden ist meiner Meinung nach hir nur das Nebenereignis.
    Ich möchte die Ereignisse nicht bagatellisieren, das Leid der Opfer und Angehörigen ist groß und durch Aussenstehende warscheinlich nicht wirklich zu erfassen.

    Wohin gegen der Hauptaugenmerk auf unsere Medienwelt gericht ist.
    Heutzutage werden Journalisten immernoch mit Maßstäben gemessen wie vor 20-30 Jahren.
    Ist das immernoch so, wie damals?
    Gibt es immernoch den freien, unabhängigen auf eigenen Füßen stehenen kritischen Journalisten?(Gab es Ihn überhaupt?)
    Oder ist der Journalismus wie alles heute, ein abhängiges Arbeitsverhältniss in dem geliefert wird was verlangt wird.
    Auf die Art der JOB muss getan werden und einer muss ihn ja machen?
    Dies in einer Branche die zu den Begründern des Begriffes “Generation Praktikum” zählt, einer Branche die notorisch am sparen und wie auch oben richtig dargestellt ständig der großen Konkurrenz wegen am greinen ist?

    Ich denke das sich unsere Medienwelt, vom investigativen Jounalismus verabschiedet hatt und nur noch als reiner Informations(weiter)geber fungiert.
    Hier wird nur noch aufpoliert, arangiert und wenn es die Meldung nicht reißt auch mal konstruiert oder wie halt viel zu oft gesehen/ gelesen improviesiert.
    Mein Bild der heutigen Medien ist das eines Druckers (PC/Hardware) der mit Informationen über ein Netzwerk gefüttert wird und diese in für den Anwender sinnvolle Zeichen umwandelt.
    Zur Interpretation dieser Informationen ist unsere Medienlandschaft weder in ihren Möglichkeiten noch in ihren Fähigkeiten in der Lage und vielleicht auch nicht Willens?
    Ich finde mit diesem Bild lassen sich viele der zuletzt gesehenen Pannen erklären.
    Auch wenn dies unsere Medien nur allzu gern anders darstellen und sich in ihrer Parallelwelt vom Rest der Gesellschaft abgrenzen, denn nur so lassen sich pompöse & inhaltsleere Ereignisse wie Echo, Babi & Co. erklären.

  6. Naja sagt:

    Also ganz so ist das nun auch wieder nicht. Nicht alle Medien reagieren so – vermeintliche Oscar Fakes wurde auch nicht skandaliert.

    Die Antwort ist viel simpler: die Medien machen das was die Leute interessiert, angesichts der fast sofortigen Auswertung von Klicks auf Artikel etc, ist es kein Wunder das sie gerne neue News, bessere als die Konkurrenz haben will. Quellenrecherche + Echtheitsüberprüfung ist im Internet sehr viel schwieriger als man glaubt. Das ist ausserdem nicht nur seit dem Internet so, gerne verdienen die Leute auch an den Medien mit ihren Falschmeldungen oder Fakes (Hitler Tagebücher?).

    Es ist also ein Gesellschaftsphänomen: Die Medien schreiben das was die Leute interessiert. Welcher Leser denkt sich schon “oh das Haus des Täters, da verstößt man gerade gegen den Pressekodex”. Würde sich keiner dafür interessieren, würde auch keiner drüber schreiben, vllt würde dann auch keiner mehr Amoklaufen.

    Zum Thema Internet – wieso ein Medium nicht nutzen? Wieso sollen Journalisten freiwillig auf das Internet zur Recherche verzichten? Wie stellt man sich eine Echtheitsverifkation von Quellen im Internet vor?
    Warum sollte man sich Chancen zur aktuellen Berichterstattung entgehen lassen?

    Kleine Frage: wer von euch war denn nicht Topaktuell durch das Netz informiert?

    Vielleicht sollte man eher die Leute anprangern die immer aktuell nach den neuesten Informationen gieren, seien sie falsch oder ausnahmsweise mal echt. Aber klar, es ist eben viel einfach mit den Finger auf eine Partei zu zeigen als einzusehen das die Presse in der Hinsicht nur eine Seite der Medallie ist.

    Die Recherche wird in Zukunft nicht besser werden, angesichts der Wirtschaftskrise sind viele Journalisten um ihren Job besorgt – die Wirtschaftsprüfer gehen durch das Land um Betriebe lukrativer zu machen, für die Endkrise zu wappnen etc. Es brennt ein regelrechter Wettkampf innerhalb der Redaktionen (insbesonderen in den der Boulevardpresse) auf, wer zuerst mehr News liefert, mehr Klicks erzeugt. Recherche und Pressekodex fallen da einfach mal so eben unter den Tisch. Klar darf man das den Leuten übelnehmen – aber drüber wundern sollte man sich nicht.

    • -Thunderbird- sagt:

      Schoen geschrieben und schoen begruendet. Trotzdem widerspreche ich dir :P
      Von mir aus bezeichne meine Haltung auch als stoisch, aber es berechtigt doch nicht, nur weil ich das Ziel habe viele Auflagen / Klicks / etc zu erzielen, Falschmeldungen in die Welt zu setzen, Privatsphaeren zu verletzen oder sich anderweitig unpassend zu verhalten. Wie waere es denn einfach mal mit Qualitaet statt Quantitaet. Ich lese viel lieber einen ausgereiften Artikel einen oder 2 Tage spaeter als dass ich irgendwelchen 08/15 Schrott 5 Minuten nach dem Geschehnis zu sehen / hoeren bekomme.

      Oder stehe ich alleine mit so einer Ansicht da und mit der Gesellschaft geht es immer weiter bergab? Weil es heißt ja fast ueberall nur noch Masse statt Klasse.

      Punkt.

      -Thunderbird-

    • Foodguild sagt:

      Ich verstehe was du meinst und ich denke das uns auch der gleiche Sachverhalt anwiedert.
      Nur das wir das Problem von der jeweils gegenüberliegende Seite betrachten.
      Sicher ist, dass auch auf deinem Weg eine Lösung erziehlt werden kann.
      Die Frage ist, mit welcher der beiden Seiten der Medaille, kann man am Ende die Lösung des Problems erreichen.
      Für mich ist die Wandlung der Gesellschaft d.h. einer großen völlig uneinheitlichen Gruppe an Menschen von unterschiedlichstem Bildungsgrad und Motivation völlig utopisch. Wohin meiner Meinung nach eine eher kleine Gruppe an Medienverantwortlichen mit einem hohen Bildungsgrad(ich weis muss eigtl. nichts heißen) und dem Selbstbild einer Elite eher zu greifen und zum umdenken zu bewegen sein muss(müsste?)

      Weil sonst befinden wir uns bei diesem berümten Bild “Henne oder Ei?” was war zuerst?
      Aus solch einer Sprirale findet man im Normafall eigentlich keine Lösung (?)

  7. Naja sagt:

    Es gibt auch keine Lösung für das. Besser recherchieren könnte man, dann würde man aber auch nur 2-3 News pro Tag releasen. Größere Geschichten müssten viel länger vorbereiten und das geht heutzutage unter dem Konkurrenzdruck einfach nicht mehr. Viele Meiner Kollegen und mich eingeschloßen haben eine >60 Stunden Woche, durchschnittlich 12 Stunden pro Tag, an manchen Tagen noch mehr.

    Hier einen Umbruch im Denkansatz der Recherche zu erreichen ist extrem schwierig. Das wird wohl eher passieren wenn auch dieses System aufgrund seiner Last zusammenbricht, ich tippe da auf Mitte nächstes Jahr.

    Die Höhepunkte der miesen Recherche werden wir zu den Wahlen finden.

    • -Thunderbird- sagt:

      Genau das ist das Problem, wenn ich dich richtig verstehe: Die Jungs von der Presse usw wollen lieber viele viele (halbherzige) Sachen anstatt wenige (gescheite). Wirft halt am Ende mehr Geld ab und der Journalist kann dem Chef statt 40 200 Artikel im Monat vorweisen – Klingt ja auch viel besser wenn er das fuenffache schreibt. Das der Inhalt darunter leidet ist dann halt nebensaechlich.

      • g sagt:

        >>Die Jungs von der Presse usw wollen lieber viele viele (halbherzige) Sachen anstatt wenige (gescheite).

        Das ist das, was die Leute lesen wollen.

        • TastyDeathChocolate sagt:

          nicht verallgemeinern bitte.
          das mag auf bild zeitungs leser zutreffen. aber ich würde auch lieber warten bis eine nachricht richtig fundiert und nachgeprüft wurde als zu lesen wie die bild die mettwurst interviewt ;)

        • -Thunderbird- sagt:

          “Das ist das, was die Leute lesen wollen.”

          Nein, wollen sie nicht. Viele vielleicht. Aber auch nur, weil sie es nicht besser kennen. Klar: Wenn ich Bild etc lese dann freue ich mich ueber JEDEN Beitrag. Aber wenn ich treuer CNN-Zuschauer oder FAZ-Leser bin dann habe ich einen anderen (hoeheren) Anspruch an die Medien.

          Nur: Wir koennen hier ewig weiter streiten ob lieber Profit, Verbloedung, ordentliche Recherche, Panikmach etc pp … Aber es bringt am Ende keinen von uns weiter. So hart es auch sein mag :(

  8. DJ Noname sagt:

    Kommt auch nochmal ein Eintrag?

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